Schwäne

Die Heiderose hat zugestimmt, dass ich eines ihrer Schwanenbilder hier in der Bilddiskussion verwenden darf. Als Ausgangsbild hatte ich das Bild in voller Größe, wie es aus der Kamera kam von ihr bekommen. Das war schon Absicht und mache ich ja nicht immer. Aber ich wollte mir einige Details in Lightroom ansehen und zeigen, was man damit so machen kann. Und das ist offensichtlich einiges. Das Ergebnis kann man sich wieder im Slider ansehen. Es ist meine Interpretation dieses Bildes, jemand anders mag da anderer Meinung sein und das Ursprungsbild als Ergebnis besser finden. Das ist eben individuell unterschiedlich.

Nun zu meiner Interpretation. Aus der ganzen Serie ist mir schon aufgefallen, dass die Körper der Schwäne teilweise im Grenzbereich „weiß“ sind. Ich wollte also als erstes sehen, ob das jpg-Bild noch Reserven hat, dies zu verbessern. Ganz leichte Strukturen im Bereich von maximal einer halben Blende konnte ich durch lokales nach-belichten noch zurückholen, aber einige Bereiche blieben als strukturloses „weiß“ übrig. Aus einem raw-Format hätte man wahrscheinlich alle Strukturen zurück holen können.

Als nächstes habe ich den Weißabgleich angepasst. Die Automatik in Lightroom war mir zu „gelb“ und das Ergebnis aus der Kamera zu „blau“, also habe ich das nach Augenschein etwa dazwischen angesiedelt. Das ist nun wirklich ein Punkt der reine Geschmacksache ist. Ich selbst verwende zwischendurch meine „ColorChecker“-Karte, um die Farbwerte und den Weißabgleich bestmöglich zu bekommen. Aber auch da können manchmal den persönlichen Geschmack entsprechende Anpassungen notwendig sein.

Dann kam die Feinarbeit mit einigen Details: Der Kopf des Schwanes wurde um ca. 1 Blende aufgehellt und der Schnabel in der Farbsättigung angehoben. Die ursprüngliche „automatische“ Kontrast- und Belichtungssteuerung aus Lightroom habe ich wieder zurück genommen und dafür die Gradationskurve leicht S-förmig eingestellt. Das gibt schöne dunkle Schattenbereiche und einen guten Kontrast. Zuletzt wurden die „Klarheit“ und die „Dynamik“ leicht angehoben.

Bis hierher war es nur Technik, aber der eigentliche Grund für die Auswahl dieses Bildes war für mich die Bildgestaltung. Dabei will ich mich auf nur ganz wenige Elemente beziehen.

  1. Die „Figur-Grund Beziehung“ ist eindeutig gelungen mit den Körpern der Schwäne im etwas aufgewühlten Wasser. Es gibt nichts, das von dem Motiv ablenkt.
  2. Die Kontraste sind durch das leichte Gegenlicht wunderbar ausgeprägt und ergeben dunkle Schatten auf den Hälsen und schöne Lichtreflexe im umgebenden Wasser.
  3. Zur Linienführung muss ich etwas mehr ausholen. Von Anfang an ist mir der unscharfe grüne Schilfhalm im Vordergrund ins Auge gestochen. Warum? Er gibt als gebogene Linie die Richtung an, in der sich auch die Schwäne auf dem Wasser bewegen. Wir haben hier also eine doppelte leicht ansteigende gebogene Diagonale, die Dynamik ins Bild bringt (ich sollte das ins Bild einzeichnen – mache ich vielleicht noch). Aber noch nicht genug. Der lange Hals des Schwanes bildet durch seine Linie eine Gegendiagonale und schließt damit das Bild nach links ab. Man kann hier kaum unterstellen, dass das alles so gewollt gestaltet wurde, aber das macht nichts. Auch wenn das ein Schnappschuss ist, die Gestaltungselemente sind es, die dieses Bild als besonders gelungen heraushebt.
  4. Ich habe mir noch erlaubt, das Ganze durch einen quadratischen Bildausschnitt zu verstärken. Der Körper des Schwanes rückt hier in den „Goldenen Schnitt“, was das Bild noch ruhiger erscheinen lässt (wie das quadratische Format an sich schon).
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Ein Gedanke zu “Schwäne

  1. Heiderose Detsch

    interessant, was man aus einem Bild machen kann, auch beim Schneiden entsteht ja schon mitunter eine völlig andere Bildaussage. Das Wasser an der Stelle dort ist wirklich ganz brackig und von Algen durchsetzt und ich war eigentlich froh, dass im Bild das Wasser so leuchtend blau geworden ist, die Bearbeitung ist wirklich gut, aber ich habe das Bild anders gesehen.
    Ich muss sagen, ich bin ein Schnappschussfotograf, das habe ich mir bei unseren Studienreisen so angewöhnt, da muss man sehr schnell sein, sonst hat man nur lauter Bäuche oder Köpfe auf den Bildern. Seit der Zeit fotografiere ich auch mit „leichtem Gepäck“, ich hatte immer eine Spiegelreflexkamera und das war ausreichend, jetzt mit der digitalen Fotografie haben wir ein neues Medium und damit kann man natürlich tolle Sachen machen. Es wird bestimmt sehr spannend mit Euch! Danke für Deine Mühe, lieber Wilhelm, die Du Dir machst!

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